große reformen: regionalgemeinden

Wir stehen vor grundlegenden Reformen, und das ist gut so. Wie Sie sicher mitbekommen haben: Die Grundkonstanten ändern sich. Beerdigungen und Austritte sind in der Summe höher als die Zahl der Eintritte und Taufen. Auch wird das theologische Personal weniger, auch demographisch bedingt. Die Folge ist: Die Finanzmittel, die aus Kirchensteuereinnahmen bleiben, werden sinken. 

Was sind die Folgen? Wir haben mehr Gebäude, als Kirche sich langfristig leisten kann und auch benötigt. Dazu kommt: Immer mehr Verwaltung auf immer kleiner werdende Einheiten. 

Was die Landessynode im Herbst nun in Amberg Neues (vor)beschlossen hat, hat uns hier aber tatsächlich wenig überrascht. Wir hatten die Idee zuerst. Wir, das sind die Hauptamtlichen von Kaltenbrunn-Thansüß-Freihung-Vilseck (derzeit auch Vertreter für Grafenwöhr-Eschenbach), Neunkirchen-Mantel, Kohlberg-Weiherhammer, Rothenstadt-Etzenricht, Wernberg und Hirschau. Noch bevor die Planungen öffentlich wurden, haben wir angefangen das umzusetzen, was kommen soll. Tatsächlich! Haben Vertrauenspersonen zusammengebracht und eine breite Basis gewonnen, regional zu arbeiten. Vielleicht auch ein Zeichen, dass es der richtige Weg ist. Wir wollen als Team zusammenarbeiten und Aufgaben untereinander aufteilen. Unsere Idee wird also (fast  wie gedacht) real. Und das bald für ganz Bayern (ohne, dass wir etwas damit zu tun haben).

Was wird kommen? Es wird Regionalgemeinden geben, die etwa 6-8000 Gemeindeglieder umfassen sollen. Wir hier am Land werden wohl an der unteren Grenze liegen, weil die Flächen sonst sehr groß werden. Eine Gemeinde hat dann nicht mehr nur einen eigenen Pfarrer, sondern alle sind für alle zuständig und werden die Arbeitsbereiche untereinander aufteilen. Rechnet man die Zahlen durch, werden wir wohl eine Regionalgemeinde werden, die von den Toren Ambergs bis zu den Toren Weidens reicht und weiter bis vor Auerbach geht.

Bis Ende des Jahres wollen wir, was Hirschau betrifft, die ersten Schritte gehen: Gemeinsames Pfarramt für die Gemeinden Hirschau, Kohlberg-Weiherhammer, Wernberg, Rotenstadt-Etzenricht in Hirschau, das dafür umgebaut und erweitert wird. Gemeinsamer Gottesdienstplan, gemeinsamer Gemeindebrief.

Die Gemeinde Hirschau wird sich also nach Norden orientieren. Die Gemeinde Amberg-Auferstehung (Ammersricht) als Teil der Stadt Amberg wird sich nach Süden orientieren. Der Kirchenvorstand arbeitet derzeit engagiert daran mit Diakonie den Ort wesentlich aufzuwerten und für die Bedürfnisse von Menschen vor Ort weiterzuentwickeln und Profil zu schärfen. Das bedeutet: Die Wege der Gemeinden werden sich wieder trennen - nach nur drei Jahren.

Dennoch war es damals richtig, diesen Schritt zu tun und ein gemeinsames zu Bauen, das letztlich auch die Voraussetzung für wieter Entwicklung zu beider Gunsten heute ist. Viele herausragende Projekte sind entstanden aus dieser Zusammenarbeit und letztlich konnten wir dadurch auch Identität wahren und Wahrnehmung von Kirche befördern und schärfen. Nun wird es Zeit, weitere Schritte zu gehen, die auch bedeuten, Gutes auf zwei verschiedene Wege zu setzen.

Von Marcus Diekmann, dem Chefstrategen eines großen Unternehmens, stammt der Satz: „Veränderung ist keine Kritik an dem, was ist, sondern ein Bereitmachen für das, was kommt!“ Daran arbeiten wir im Kirchenvorstand - gemeinsam.

Wir als lutherische Kirche der Reformation wissen: Es braucht immer wieder den kritischen Blick darauf, was anders und neu werden muss. Und Sätze wie „Das war schon immer so!“, haben noch niemanden wirklich weitergebracht, außer die, die Entwicklung blockieren wollten.

Vielleicht ist es an der Zeit, Kirche jetzt umzubauen. Auch lange Bewährtes loszulassen und dadurch Freiheit zu gewinnen, neu zu werden. Wir sind schließlich Dienstleister für Menschen. Wenn sich Bedürfnisse ändern, müssen auch wir uns ändern. Der Weg geht also Richtung "Regionalgemeinden". Konkreteres wird dann sicher die Tagung der Landessynode im März in Bayreuth bringen. 

Was wir uns erwarten davon: weniger und effizientere Verwaltung, gabenorientiertes Arbeiten der Hauptamtlichen, Freiheit für neue Formate, die Menschen betreffen und gewinnen und: eine präsente Kirche in der Fläche.